Heilpädagogisches Voltigieren (HPV)

Das heilpädagogische Voltigieren stellt einen Teilbereich des „Therapeutischen Reitens“ dar. Beim Voltigieren wird die Gruppe zum wichtigsten Medium der Erziehung und das Großpferd ist Freund und Sportskollege für alle Gruppenmitglieder. Voltigieren bedeutet Turnen und Akrobatik auf dem Pferd und somit spielen beim HPV psychomotorische und gruppendynamische Aspekte eine große Rolle.

Das Pferd geht dabei auf einem Zirkel an der Longe und es werden Bewegungsabläufe mit verschiedenen Zielsetzungen und Schwerpunkten auf dem Pferderücken im Schritt, Trab und Galopp durchgeführt. Die handelnde Umsetzung der sprachlichen Anweisung des Pädagogen stellt eine hohe kognitive Leistung des Kindes dar. Zum heilpädagogischen Voltigieren gehört neben dem eigentlichen Voltigieren immer auch die Versorgung des Pferdes mit dazu.

Beim Voltigieren wird die gesamte Motorik gefördert. Neben koordinativen Fähigkeiten, wie Gleichgewicht, Rhythmus, Reaktion, kinästhetische Differenzierungsfähigkeit und Raum-Lage- Koordination, werden auch konditionelle Fähigkeiten geschult (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit). Die Freude an der Bewegung und das Spüren des eigenen Körpers setzt viele positive Emotionen frei.

Die häufige Selbstüberwindung der Kinder verdient höchste Anerkennung. Dabei ist die objektive Leistung unbedeutend. Bei dem einen Kind ist es eine riesige Überwindung, wenn es im Schritt auf dem Pferderücken beide Hände loslässt, beim anderen, wenn es im Galopp das rechte Bein zur Fahne vom Pferderücken löst. Die Kinder lernen schnell selbst einzuschätzen, in welcher Tagesverfassung sie sind und was ihnen daher möglich ist zu tun. Diese Entwicklung unterstützten wir selbstverständlich und begleiten die Kinder im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung.

Die sozial-emotionalen Kompetenzen sind beim heilpädagogischen Voltigieren von großer Bedeutung. In der Gruppe können vielfältige soziale Erfahrungen gesammelt und Handlungskompetenzen erlernt werden. Häufig entwickeln die Gruppen ein starkes Wir-Gefühl und die Mitglieder identifizieren sich durch Gruppensymbole und –regeln stark miteinander.

Hier einige Ziele des heilpädagogischen Voltigierens:

  • Entwickeln von Verantwortungsbewusstsein
  • Aufbau von Beziehungsfähigkeit
  • Verbesserung sozialer Kompetenzen
  • Positive Bewegungsentwicklung
  • Stärkung des Selbstwertgefühls
  • Erhöhung der Konzentration
  • Wahrnehmungsschulung
  • Überwinden von Ängsten
  • Regelverständnis

Die hohe Begeisterung und Motivation der Kinder für diese pädagogische Maßnahme in der Gruppe mit dem Pferd scheint begründet in dem „ursprünglichen Interesse am Lebendigen“, der sogenannten Biophilie des Menschen.

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